Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl, Heidelberg

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Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl

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Die Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl ist eine von der Universität Heidelberg betriebene historische Forschungssternwarte. Sie befindet sich auf dem Westgipfel des Königstuhl bei Heidelberg. Ihre geografische Lage beträgt 8°43'15" östliche Länge und 49°23'55" nördliche Breite, 560 m über Normalnull.

Geschichte

Das ursprüngliche Instrumentarium der Sternwarte stammt aus der 1774 gegründeten Mannheimer Sternwarte, die aufgrund der zunehmenden Verschlechterung der Beobachtungsbedingungen 1880 provisorisch nach Karlsruhe verlegt worden war. In der Folgezeit standen drei Standorte für die Errichtung einer neuen Sternwarte zur Diskussion, wobei man sich schließlich auf den Königstuhl einigte.

Am 20. Juni 1898 wurde die "Großherzogliche Bergsternwarte" durch den Großherzog Friedrich I. von Baden feierlich eingeweiht. Das astronomische Institut bestand zunächst aus zwei konkurrierenden Abteilungen, der astrophysikalischen unter Max Wolf und der astrometrischen unter Wilhelm Valentiner. Valentiner war bis 1880 Direktor der Mannheimer Sternwarte gewesen und hatte die Verlegung nach Karlsruhe initiiert. 1909, nach Valentiners Emeritierung wurden die Abteilungen unter der Leitung von Max Wolf vereint.

Wolf hatte bereits als Schüler eine private Sternwarte im Garten seines Elternhauses in der Heidelberger Märzgasse errichtet, die er im Laufe der Zeit immer weiter ausbaute. Er optimierte die Astrofotografie und entdeckte auf fotografischem Wege einen Kometen sowie den Nordamerikanebel.

Nach seiner Berufung zur Bergsternwarte gelang es Wolf, private Stifter für die Anschaffung leistungsfähiger Teleskope zu gewinnen, darunter die US-Amerikanerin Catherine Wolfe Bruce.

Hauptarbeitsgebiet der Sternwarte war zunächst die Untersuchung kosmischer Gasnebel sowie die Suche nach Kleinplaneten. Wolf, seine Mitarbeiter und Nachfolger entdeckten bis in die 1950er Jahre über 800 Kleinplaneten, darunter den 1906 zuerst gefundenen Trojaner Achilles.

Gemeinsam mit Johann Palisa in Wien entstand der erste Sternatlas für die Suche und Identifikation neu entdeckter Himmelskörper.

Im Laufe der Zeit wurden neue Teleskope angeschafft und Laboratorien errichtet. 1957 entstand das Happel-Laboratorium für Strahlungsmessungen.

Die Landessternwarte führt heute Forschungsprogramme, insbesondere auf dem Gebiet der Milchstraßenforschung und der Spektralphotometrie durch und arbeitet an internationalen Projekten der europäischen Raumfahrtbehörde ESA, der deutsch-französisch-spanischen Organisation IRAM, der europäischen Südsternwarte (ESO) und der NASA mit.

Darüber hinaus werden öffentliche Himmelsbeobachtungen und Astronomieprogramme für Kinder angeboten.

Gebäude

Die Teleskope der Landessternwarte sind in sechs Beobachtungskuppeln untergebracht.

Das Hauptgebäude umfasst u.a. die Verwaltung, eine feinmechanische Werkstatt, eine Elektronikwerkstatt, ein Fotolabor, eine Schreinerei, Arbeitszimmer, einen Computerraum sowie eine umfangreiche Bibliothek mit etwa 23.500 Bänden. Die ältesten Bestände aus dem 18. Jahrhundert stammen noch aus der Mannheimer Sternwarte.

Der Bau des Happel-Laboratoriums geht auf eine Stiftung des Kunstmalers Karl Happel zurück. Das Labor enthält u.a. eine Strahlungsquelle für Plancksche Strahlung (ein sog. "Schwarzer Körper") zur Kalibrierung von Photometern für die Spektroskopie, optische Messeinrichtungen zur Entwicklung optischer Systeme sowie eine zentrale Rechenanlage.

Der frühere Meridiansaal beherbergt heute das "Ost-Institut" und wird als Hörsaal, Montageraum und Archiv für fotografische Platten genutzt.
Im "Nord-Institut" befinden sich Arbeitszimmer, Gästezimmer ein Computerraum und Wohnungen.
In einem Wohnhaus sind die Mitarbeiter der Sternwarte und deren Familien untergebracht.

Instrumente

Ein Refraktor mit 8 Zoll (20 cm) Öffnung und 3 m Brennweite mit Holztubus auf einer parallaktischen Montierung stellt das älteste Teleskop der Sternwarte dar. Es wurde bereits im Jahresbericht für 1894 der Karlsruher Sternwarte erwähnt. Ursprünglich für die visuelle Beobachtung von Doppelsternen eingesetzt, wird es heute ausschließlich für öffentliche Führungen (z.B. zur Sonnenbeobachtung) genutzt.

Das Bruce-Teleskop (benannt nach der Stifterin) ist ein Astrograf. Es handelt sich um einen Doppelrefraktor, bestehend aus einem 40 cm Teleskop mit 2 m Brennweite für die Fotografie
und einem Leitfernrohr mit 25 cm Öffnung und 4 m Brennweite. Mit dem 1900 in Betrieb genommenen Gerät wurden tausende von fotografischen Platten aufgenommen. Ein Katalog der Platten ist im Internet verfügbar. Heute wird es bei Führungen eingesetzt.

Ein Ritchey-Chrétien-Cassegrain-Teleskop der Firma Carl Zeiss mit 75 cm Hauptspiegeldurchmesser und 6 m Brennweite wurde 1977 in Betrieb genommen. Das Teleskop besitzt eine azimutale Montierung und wird in beiden Achsen computergesteuert nachgeführt. Eingesetzt wird es vor allem für Himmelsaufnahmen von Galaxien und Sternhaufen mittels CCD-Kamera, vorwiegend im roten Spektralbereich des Lichtes.

Ein Cassegrain-Teleskop mit 70-cm Hauptspiegel und 5,6 m Brennweite aus eigener Fertigung wurde 1988 in Betrieb genommen. Eingesetzt wird es zur Überwachung variabler Objekte, wie z.B. Quasare, mittels CCD-Kamera.

Das dritte aktiv zur Forschung eingesetzte Teleskop ist das Waltz-Teleskop (ebenfalls nach seiner Stifterin benannt), ein 72-cm Newton-Teleskop, das im Nasmyth-Fokus betrieben wird. Es wurde 1906 in Betrieb genommen und war das erste Großteleskop von Carl Zeiss. Dort ist i.A. Spektrograph angeschlossen.

Ein Schmidt-Teleskop mit 40 cm Durchmesser und 90 cm Brennweite wurde 1963 in der eigenen Werkstatt des Instituts hergestellt. Das Teleskop besitzt ein großes Gesichtsfeld von 4° und eignete sich besonders zur Aufnahme von Sternfeldern. In Verbindung mit einem Objektivprisma konnten zahlreiche Sternspektren gleichzeitig aufgenommen werden.

Ein weiteres Cassegrain-Teleskop mit 50-cm Hauptspiegel und 6,95 m Brennweite wurde 1978 ebenfalls in der eigenen Werkstatt hergestellt. Haupteinsatzgebiet war die Sternphotometrie und –polarimetrie.

Ein historischer Sechszoll-Refraktor aus dem Jahre 1859 wurde bis 1924 zur Ausmessung von Sternhaufen sowie für Lehr- und Übungszwecke genutzt und dann stillgelegt. 1957 wurde das Gerät an die Stadt Karlsruhe verschenkt und bildete dort die Grundlage zum Aufbau der Volkssternwarte Karlsruhe.

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